Carnaval et politique au XVIe siècle

De la cohésion sociale à la subversion de l’ordre public. Le point de vue d’Erasmus Sarcerius, réformateur de Leipzig

Tiphaine Guillabert-Madinier

Zusammenfassung

Im Februar 1551 veröffentlicht der lutherische Pfarrer Erasmus Sarcerius in Leipzig zwei Predigten, durch die er die Unterstützung der weltlichen Autoritäten bekommen möchte, um den Karneval (Fastnacht) zu verbieten. Sein Aufruf wird aber erst ein Jahrhundert später Gehör finden. Dieser Abstand passt nicht zu der weitverbreiteten Vorstellung eines umstürzlerischen Karnevals, den man besser in Zaum halten sollte. Denn, so wie auch in anderen Regionen des Reichs bietet der Karneval auch in Leipzig nicht nur der ganzen Bevölkerung eine Gelegenheit zur Entspannung, sondern gibt auch die Möglichkeit, diplomatische Bündnisse und den Zusammenhalt der Bürgerschaft zu erneuern. So versteht man besser, warum die bürgerlichen Autoritäten nur zurückhaltend auf Sarcerius’Aufruf reagiert haben. Indem Sarcerius politische Argumente ins Feld führt, überrascht seine ganze Gedankenführung. Er greift dieses Fest massiv an, das zunehmend als heidnisch eingeordnet wurde, gerade zu dem Zeitpunkt, als die evangelischen Kirchen sich herausbildeten und die Fürsten die Funktion der „Bischöfe“ übernahmen, die die wahre Kirche mit untadeligen Sitten leben wollten. So treten die Linien zutage, die verstehen lassen, warum der Karneval (Fastnacht) zunächst ein Fest des Zusammenhalts war, bevor es als Störung der Öffentlichen Ordnung begriffen wurde.

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