Luther « le Chérusque », héros fondateur 
de l’imaginaire national germanique

Brigitte Krulic

Zusammenfassung

Die Übersetzung der Bibel, die Luther auf der Wartburg anfing, stellt eine grundlegende Etappe im Entstehungsprozess eines deutschen Nationbewusstseins dar; sie erfolgte einige Jahrzehnte nach der Wiederentdeckung der Schriften des Tacitus und der Kristallisierung des Arminius-Mythos, der den Sieger der römischen Legionen im Jahre 9 n. Chr. zum „Nationalhelden“ gestaltete. Luther hat sich selbst explizit mit Arminius identifiziert: „Ita nunc Luther Cheruskus, eyn Hartzlander, Romam devastat“; dadurch stellte er einen Zusammenhang auf, der die Kontinuität der deutschen Geschichte vom Rom der Caesaren bis zum Rom der Päpste, von der antiken Germania zum Heiligen Reich als Grundprinzip aufhellt. Die Reformation trug auch dazu bei, die „Volkssprache“ aufzuwerten und die von jedem politischen und sozialen Ziel unabhängige Freiheit des Christen zu verherrlichen; damit spielt das Erbe Luthers eine entscheidende Rolle in der Konstituierung des Konzepts der Kulturnation, wie es von der deutschen Aufklärung ausgedacht wurde: Dieser Auffassung liegen die Begriffe der Kultur (vs Zivilisation), der Innerlichkeit und des der Muttersprache innewohnenden Nationalcharakters zugrunde. Die Freiheitskriege (1813) lassen das zur Zeit der Reformation ausgearbeitete Identitätsschema wiederaufleben, das auf dem Antagonismus zwischen Germanen und Römern beruht.

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