Charles Gide

République coopérative et démocratie économique

Gilbert Vincent

Zusammenfassung

Der Name von Charles Gide, einem Onkel des Schriftstellers André Gide, ist hauptsächlich mit der Unterstützung und Verteidigung des genossenschaftlichen Gedankens und Bewegung verbunden. Eine Genossenschaft ist für ihn die beste Form einer freien Verbindung im Wirtschaftsleben, so wie eine evangelische „Gemeinde“ eine freie Verbindung im religiösen Feld darstellt. Gide war Professor für Volkswirtschaft (politischer Wirtschaftslehre), Gide war ein Theoretiker und ein Denker, aber auch ein Mann der Tat : Er hat gemeinsam mit anderen in Uzès eine kleine Genossenschaft gegründet, bevor er diese Erfahrung theoretisch reflektierte und mit einem gewissen Humor unter die Bezeichnung „l’École de Nîmes“ stellte. Er wurde zu einem der Leiter der genossenschaftlichen Bewegung in Frankreich und der Welt, bevor er zum Professor am Collège de France ernannt wurde. Gide hat aktiv den Aufschwung der solidaristischen Bewegung gestaltet, die die Solidarität institutionalisieren wollte (mit dem gegenseitigen Einstehen bei den Vorteilen und Erfolgen, nicht nur bei den Risiken), im Gegensatz zu einem kommunistischen Programm der Enteignung und Kollektivierung. In seinen Augen bildet eine Genossenschaft, insbesondere im Konsum-Bereich, einen institutionellen Rahmen, in dem das Teilen und seine Regeln erlernt werden können, die schließlich bis auf die ganze Republik skaliert und übertragen werden können. Zudem ist Gide überzeugt, dass – veränderbare – Regeln die notwendige Voraussetzung für die Dauer einer Genossenschaft sind, aber auch starke ethische Überzeugungen benötigt werden, damit die Genossenschaft dauerhaft vor den Versuchungen der Macht und der Konkurrenzlogik geschützt werden kann. Neben dem Begriff der „Solidarität“ ist „Emanzipation“ ein weiterer wichtiger Bezugspunkt für unseren Autor, wie seine vielerlei Beiträge zu unterschiedlichen Themen in der Zeitschrift gleichen Namens zeigen. Als Protestant hat Gide sich immer innerhalb des französischen reformierten Protestantismus dafür eingesetzt, dass der Pietismus nicht als Alibi für einen Quietismus dient. Daher hat er, gemeinsam mit Pfarrer Tommy Fallot den „Evangelischen Verein für praktische Studien sozialer Fragen“ gegründet, der später zum „Christianisme social“ (Soziales Christentum) wurde.

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